Es gibt Wochenenden, die man sich merkt. Nicht weil die Tabelle es verlangt, sondern weil etwas in der Luft liegt, das schwerer wiegt als drei Punkte. Dieses hier ist so eines.
Der LASK braucht in Wien ein Unentschieden. Sturm braucht in Graz einen Sieg und Schützenhilfe der Wiener Austria. Dazwischen liegt das ganze Drama einer Saison, die sich weigert, einfach zu enden. Cisse gesperrt, Dragović gesperrt, Usor mit dem Meniskus — der LASK marschiert leicht angeschlagen in sein möglicherweise wichtigstes Spiel seit Jahrzehnten. Und doch: Didi Kühbauer hat in sechs Duellen gegen die Austria noch nie verloren. Manche Statistiken lügen. Diese klingt wie ein Versprechen.
In Graz ist es anders. Zwölf Spiele ohne Niederlage, und dennoch, der Trend der letzten sechs Spiele: fünfmal Unentschieden, fünfmal das Gefühl, dass es mehr hätte sein können. Der dritte Meistertitel in Folge wäre Geschichte. Vierter Verein überhaupt.
Am Samstag kämpft Blau-Weiß Linz gegen den GAK ums nackte Überleben — auch das ein Showdown zwischen Graz und Linz, nur elf Stockwerke tiefer.
Die 32. Runde ist der letzte Spieltag der regulären Saison — das Playoff kommt noch, aber was an diesem Wochenende passiert, lässt sich nicht wiederholen. Manche Kapitel schließen sich leise. Dieses hier mit Pauken, Trommeln, einem Abstieg und einem Meisterteller, der irgendwo zwischen Linz und Graz wartet.
An diesem Tag ist auch Alfred Tatar gegangen. 62 Jahre alt. Studierter Biologe und Mathematiker, Trainer, Sky-Experte, Kultfigur — und ein Mensch, der in keine dieser Schubladen wirklich hineingepasst hat. Er spielte bei der Vienna einst an der Seite von Mario Kempes. Ja, der Mario Kempes, der Weltmeister, der eigentlich viel zu groß war für die österreichische Liga. Genau er spielte neben einem, der eigentlich auch viel zu groß war für den Fußball — Alfred Tatar. Nicht weil er der Beste gewesen wäre. Sondern weil er den Fußball so sah, wie ihn kaum jemand sieht: als Spiegel, als Philosophie, als Material für den schärfsten Witz im richtigen Moment.
Er analysierte das Spiel so, wie sonst niemand es tat — mit Schärfe, mit Witz und mit einer Zärtlichkeit für das Seltsame daran. Er war die Antithese zu allem, was man von einem TV-Experten erwartet. Kein Floskeln, kein Weichspülen, kein Nicken. Stattdessen Wahrheit — manchmal unbequem, immer präzise, fast immer mit einem Schmunzeln dahinter, das verriet: Er liebte diesen Sport wirklich. Nicht performativ. Wirklich.
Dass er ausgerechnet an dem Wochenende geht, an dem dieser Sport so laut ist wie selten — das ist tragisch. Er hätte dazu sicher etwas gesagt. Etwas, das man sich noch Jahre später merkt. Und es wäre gut gewesen.
Ruhe in Frieden, Fredl.
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